
Das Auswahlverfahren im AVD 2026: Alle Stufen im Überblick
Vom schriftlichen Test über den Sporttest bis zum Vorstellungsgespräch: So läuft das Auswahlverfahren für den allgemeinen Vollzugsdienst Schritt für Schritt ab.
Bevor du eine Ausbildung im allgemeinen Vollzugsdienst (AVD) beginnst, steht das Auswahlverfahren. Es prüft, ob du den Anforderungen des Dienstes kognitiv, körperlich und persönlich gewachsen bist. Wer die einzelnen Stufen kennt, geht entspannter und vorbereiteter hinein. Dieser Ratgeber richtet sich an Bewerberinnen und Bewerber und erklärt, was die Abschnitte prüfen – bewusst ohne konkrete Zahlenwerte, denn Aufbau und Bestehensgrenzen legt jedes Bundesland eigenständig fest.
Zuständigkeit: Der Vollzug ist Ländersache
Anders als beim Zoll, wo Bundesrecht gilt, ist der Justizvollzug Sache der Länder. Jedes Bundesland bestimmt selbst, wie sein Auswahlverfahren aufgebaut ist, welche Testverfahren zum Einsatz kommen und wo die Bestehensgrenzen liegen. Deshalb kann der Ablauf von Land zu Land abweichen, mitunter deutlich. Verbindlich sind immer die Stellenausschreibung und die Einladung des Landes, bei dem du dich bewirbst. Die folgenden Stufen beschreiben den typischen Aufbau, wie er sich in vielen Ländern in ähnlicher Form findet – als Orientierung, nicht als bundesweit einheitliche Regel.
Stufe 1: Der schriftliche Eignungstest
Am Anfang steht in der Regel ein schriftlicher Test. Er prüft Fähigkeiten, die im Vollzugsdienst täglich gebraucht werden: Konzentration und Sorgfalt, sicheres Deutsch mit Rechtschreibung und Textverständnis, logisches und schlussfolgerndes Denken sowie Allgemeinwissen. Typische Aufgabenformen sind:
- ein Diktat oder eine Rechtschreibprüfung
- Aufgaben zum Textverständnis und zur Sprache
- logische Reihen sowie Zahlen- und Konzentrationsaufgaben
- Fragen zum Allgemein- und Aktualitätswissen
Weil viele Aufgabentypen wiederkehren, lohnt sich gezieltes Üben mit Beispielaufgaben. Tempo und Genauigkeit zählen dabei gleichermaßen: Wer nur schnell ist, macht Flüchtigkeitsfehler; wer nur sorgfältig ist, wird nicht fertig. Übe deshalb unter Zeitdruck und gewöhne dich daran, schwierige Aufgaben zunächst zu überspringen.
Stufe 2: Der Sporttest
Der Sporttest prüft Kraft, Ausdauer und Koordination und stellt sicher, dass du den körperlichen Anforderungen des Dienstes gewachsen bist. Welche Disziplinen verlangt werden und wo die Bestehensgrenzen liegen, legt jedes Land eigenständig fest – gängig sind Ausdauer-, Kraft- und Koordinationsübungen. Die genauen Werte findest du in der Ausschreibung deines Landes. Mit strukturiertem Training über mehrere Wochen ist der Test für durchschnittlich fitte Bewerber gut zu schaffen; wer lange keinen Sport getrieben hat, sollte früher beginnen und die konkreten Test-Disziplinen gezielt üben, statt nur allgemein zu trainieren.
Stufe 3: Gespräch und Persönlichkeit
Im strukturierten Interview steht deine Person im Mittelpunkt. Die Kommission fragt nach deiner Motivation, deiner Belastbarkeit und deiner Fähigkeit, mit Konflikten und mit Nähe-Distanz-Situationen umzugehen. Je nach Land kommen ein psychologisches Testverfahren, ein Rollenspiel oder eine Gruppenübung hinzu. Gefragt sind keine perfekten Antworten, sondern ein ehrlicher, ruhiger und gepflegter Auftritt. Wer eigene Beispiele nennt, auch bei kritischen Fragen sachlich bleibt und ehrlich zu eigenen Grenzen steht, hinterlässt den besten Eindruck. Auswendig gelernte Musterantworten wirken dagegen aufgesetzt.
Amtsärztliche Untersuchung und Eignung
Für die Verbeamtung ist die gesundheitliche Eignung entscheidend. Deshalb schließt sich meist eine amtsärztliche Untersuchung an, die feststellt, ob du den dauerhaften Anforderungen des Dienstes genügst. Auch die charakterliche Eignung wird geprüft, etwa durch eine Abfrage bei den zuständigen Stellen. Erst wenn alle Bausteine zusammenpassen – kognitive Leistung, körperliche Fitness, persönliche und gesundheitliche Eignung –, folgt die Zusage. Fällt ein Baustein aus, hilft die beste Leistung in den anderen nicht weiter.
So bereitest du dich sinnvoll vor
Eine gute Vorbereitung setzt an allen drei Stufen zugleich an, ohne dass du dich verzettelst. Für den schriftlichen Teil helfen regelmäßiges Üben mit Beispielaufgaben, das Lesen von Nachrichten für das Aktualitätswissen und das bewusste Training von Rechtschreibung und Konzentration. Für den Sporttest zählt kontinuierliches Training über mehrere Wochen statt kurzfristiger Kraftakte. Und für das Gespräch lohnt es sich, die eigene Motivation ehrlich zu durchdenken und typische Situationen im Kopf durchzuspielen. Wer früh anfängt und gleichmäßig übt, geht mit deutlich mehr Sicherheit in den Prüfungstag als jemand, der erst kurz vorher beginnt.
Ob der Beruf zu dir passt, kannst du vorab mit dem Bewerbungs-Check in neun Fragen einschätzen. Typische Aufgaben des schriftlichen Teils übst du im Einstellungstest-Trainer, und steht dein Termin fest, begleitet dich der kostenlose Einstellungstest-Countdown mit neun kurzen Mails ab acht Wochen vor dem Test.
Abgrenzung und häufige Irrtümer
Ein verbreiteter Irrtum ist, das Auswahlverfahren sei bundesweit einheitlich – das ist es gerade nicht. Ebenso falsch ist die Annahme, ein einmaliges Durchfallen sei endgültig: In der Regel ist eine erneute Bewerbung zu einem späteren Einstellungstermin möglich. Und schließlich entscheidet nicht eine einzelne Stufe allein, sondern das Gesamtbild. Wer diese Punkte kennt, geht mit realistischen Erwartungen und weniger Druck in den Prozess.
Ein Beispiel für den zeitlichen Ablauf
In der Praxis liegen zwischen Bewerbung und Zusage häufig mehrere Monate. Nach dem Eingang der Unterlagen folgt die Einladung, dann die Prüfungsteile – je nach Land an einem oder mehreren Tagen –, anschließend die amtsärztliche Untersuchung und zuletzt die Einstellungsentscheidung. Wer sich diesen Ablauf bewusst macht, plant seine Vorbereitung realistisch, hält Fristen im Blick und gerät nicht in Zeitdruck. Behalte die Einstellungstermine deines Landes im Auge, denn sie geben den Takt vor: Sie entscheiden darüber, wann du dich bewerben musst und wann das Verfahren startet.
Weiterführend: Vertiefende Beiträge zu diesem Thema sind Konzentrations- & Merkaufgaben üben.
Häufige Fragen
Ist das Auswahlverfahren bundesweit gleich?
Nein. Der Justizvollzug ist Ländersache, deshalb legt jedes Bundesland Aufbau, Testverfahren und Bestehensgrenzen selbst fest. Verbindlich ist immer die Ausschreibung des Landes, bei dem du dich bewirbst.
Welche Stufen umfasst das Verfahren typischerweise?
Meist einen schriftlichen Eignungstest, einen Sporttest und ein strukturiertes Gespräch. Je nach Land kommen ein psychologisches Testverfahren, ein Rollenspiel und eine amtsärztliche Untersuchung hinzu.
Wie lange dauert das Auswahlverfahren?
Je nach Land verteilen sich die Prüfungsteile auf einen oder mehrere Tage. Zwischen Bewerbung und endgültiger Zusage können mehrere Monate liegen.
Kann ich es nach einem Misserfolg erneut versuchen?
In der Regel ja. Eine erneute Bewerbung zu einem späteren Einstellungstermin ist meist möglich; die Einzelheiten regelt das jeweilige Land.
Wenn aus einem Vorwurf ein Verfahren wird
Ein Disziplinar- oder Strafverfahren trifft Beamte im Dienst schneller als gedacht. Kostenlose Erstinformation anfordern: