
Konzentrations- & Merkaufgaben üben
Beim Einstellungstest für den allgemeinen Vollzugsdienst (AVD) geht es nicht nur um Mathe und Diktat. Ein großer Teil des Tests dreht sich um Konzentration und Merkfähigkeit — also genau die Fähigkeiten, die du später auf Station brauchst, wenn du gleichzeitig den Überblick über mehrere Hafträume, Übergaben und Auffälligkeiten behalten musst. Wer hier einstellungstest üben will, sollte also nicht nur Kopfrechnen pauken, sondern gezielt an Aufmerksamkeit und Gedächtnis arbeiten. Genau darum geht es in diesem Artikel: typische Aufgaben beim justizvollzug konzentrationstest, anschauliche Beispiele und ein Übungsplan, mit dem du strukturiert dranbleibst.
Warum Konzentration und Merkfähigkeit im Auswahlverfahren so wichtig sind
Im AVD-Alltag passiert selten nur eine Sache auf einmal. Du machst einen Rundgang, bekommst über Funk eine Information durchgesagt, musst dir merken, wer gerade zum Hofgang darf, und gleichzeitig ein Auge auf ungewöhnliches Verhalten haben. Fehler durch Unaufmerksamkeit können hier schnell sicherheitsrelevant werden — eine übersehene Auffälligkeit im Zellenbuch, eine falsch notierte Uhrzeit bei der Übergabe, ein verwechselter Name beim Zählappell.
Deshalb prüfen die Auswahlverfahren der Justizvollzugsanstalten gezielt, wie gut du dich über einen längeren Zeitraum konzentrieren kannst, wie zuverlässig du Details erfasst und wie gut du dir kurzfristig Informationen merkst. Das sind keine Schikane-Aufgaben, sondern eine realistische Vorstufe zum späteren Dienstalltag.
Typische Aufgabentypen beim justizvollzug konzentrationstest
Die genaue Zusammenstellung variiert je nach Bundesland, aber bestimmte Aufgabentypen tauchen in den Auswahlverfahren der Länder immer wieder auf. Hier die wichtigsten mit einem anschaulichen Beispiel:
Symbole und Zeichen vergleichen
Du bekommst zwei Reihen mit Symbolen oder Zeichenketten und musst möglichst schnell entscheiden, ob sie identisch sind oder sich unterscheiden.
Beispiel: „§$%&§“ vs. „§$%&§“ → identisch. „12X-45″ vs. „12X-54″ → unterschiedlich (die letzten beiden Ziffern sind vertauscht).
Hier zählt vor allem Tempo bei gleichzeitig hoher Treffsicherheit — genau die Kombination, die später beim schnellen Abgleichen von Listen oder Ausweisdaten gefragt ist.
Fehler finden
In einem Text oder einer Tabelle sind bewusst Fehler eingebaut, die du innerhalb einer vorgegebenen Zeit markieren musst — etwa Zahlendreher, vertauschte Buchstaben oder fehlende Satzzeichen.
Beispiel: „Der Gefangene wird um 7:30 Uhr zum Hofgnag gebracht.“ → Fehler: „Hofgnag“ statt „Hofgang“.
Diese Aufgabe trainiert genau das genaue Lesen, das du brauchst, wenn du später Protokolle oder Übergabebücher kontrollierst.
b-d-p-q-Tests
Ein Klassiker aus der Aufmerksamkeitsdiagnostik: In einer Zeile aus ähnlich aussehenden Buchstaben (b, d, p, q) sollst du nur eine bestimmte Variante markieren, zum Beispiel alle „d“.
Beispiel: b d p q d b p d q b → gesucht ist „d“: markiert werden Position 2, 5 und 8.
Klingt simpel, wird aber nach ein paar Minuten anstrengend — und genau das ist der Sinn: Es testet, ob deine Konzentration auch nach längerer Belastung stabil bleibt.
Zahlen- und Buchstabenreihen fortsetzen oder vergleichen
Du bekommst eine Reihe mit einer Logik und musst sie fortsetzen, oder zwei Reihen vergleichen und Abweichungen finden.
Beispiel: 2 – 4 – 6 – 8 – ? → die Reihe steigt um 2, die Lösung folgt also der gleichen Logik.
Diese Aufgaben prüfen logisches Denken in Kombination mit Konzentration — du musst das Muster erkennen und es dann fehlerfrei fortführen.
Kurzfristiges Merken
Dir wird für kurze Zeit eine Liste, ein Bild oder eine Abfolge gezeigt (zum Beispiel Gegenstände, Zahlenkombinationen oder ein Lageplan), die du danach aus dem Gedächtnis wiedergeben musst.
Beispiel: Du siehst 30 Sekunden lang eine Liste mit acht Gegenständen und sollst sie anschließend ohne Vorlage in der richtigen Reihenfolge aufschreiben.
Im Berufsalltag entspricht das zum Beispiel der Situation, dass du dir bei der Übergabe mehrere Informationen merken musst, bevor du sie weitergibst oder dokumentierst.
Wie du gezielt für Konzentration und Merkfähigkeit übst
Konzentration ist trainierbar — wie ein Muskel. Wer kurz vorher anfängt zu üben, merkt oft schnelle Fortschritte, weil es vor allem um Gewöhnung an den Aufgabentyp und ans Tempo geht. Drei Prinzipien haben sich dabei bewährt:
Tägliche Routine statt Marathon-Sessions
Lieber 15–20 Minuten täglich als einmal pro Woche zwei Stunden. Konzentration lässt sich nicht in einer Nacht aufbauen, aber durch regelmäßiges kurzes Training stabilisieren.
Bewusst unter Zeitdruck üben
Stell dir einen Timer und versuche, die Aufgaben in der gleichen Zeit zu lösen, die im echten Test vorgesehen ist (sofern dein Bundesland dazu Informationen veröffentlicht). So gewöhnst du dich an das Gefühl, schnell und genau zugleich arbeiten zu müssen.
Mit Ablenkung trainieren
Übe nicht nur in absoluter Stille. Leise Hintergrundgeräusche, ein Radio im Nebenraum oder ein belebter Ort wie ein Café gewöhnen dich daran, deine Konzentration auch dann zu halten, wenn es um dich herum nicht ruhig ist — genau wie später auf Station.
Dein Übungsplan für die Vorbereitung
Ein konkreter Plan hilft, dranzubleiben statt nur sporadisch zu üben. Eine mögliche Struktur für die letzten zwei bis drei Wochen vor dem Test:
- Woche 1: Jeden Tag 10 Minuten Symbole/Zeichen vergleichen plus 10 Minuten b-d-p-q-Test, um ein Gefühl für das eigene Tempo zu bekommen
- Woche 2: Zusätzlich Fehler-finden-Übungen und Zahlen-/Buchstabenreihen einbauen, dabei feste Zeitlimits setzen
- Woche 3: Kurzfristiges Merken ergänzen (Listen, Bilder, kurze Zahlenfolgen), außerdem alle Aufgabentypen einmal komplett unter Zeitdruck und mit leichter Hintergrundablenkung durchspielen
- Letzte Tage vor dem Test: Tempo halten, aber Umfang reduzieren — lieber kurze, fokussierte Einheiten als Erschöpfung kurz vor dem Termin
Tipps gegen Flüchtigkeitsfehler
Die meisten Punkte gehen nicht verloren, weil die Aufgaben zu schwer sind, sondern weil unter Zeitdruck Flüchtigkeitsfehler passieren. Ein paar Stellschrauben, die wirklich helfen:
- Lieber etwas langsamer und dafür sauber lesen, statt zu hetzen und Zeichen zu überspringen
- Bei Vergleichsaufgaben Zeichen für Zeichen abgleichen, nicht „im Überblick“ schätzen
- Zwischendurch kurz bewusst durchatmen — verkrampfte Konzentration führt schneller zu Fehlern als ein kurzer mentaler Reset
- Nach dem Üben eigene Fehler analysieren: Waren es Tempofehler oder Verständnisfehler? Das zeigt dir, wo genau du ansetzen musst
- Ausreichend Schlaf vor dem Testtag — übermüdete Konzentration lässt sich durch keine Technik ausgleichen
Wichtig zu wissen: Der genaue Aufbau des Auswahlverfahrens, die Gewichtung der einzelnen Testteile und die Zeitvorgaben unterscheiden sich je Bundesland. Schau deshalb rechtzeitig auf dem offiziellen Justizportal deines Landes nach, welche Testteile dort konkret vorkommen, und richte deine Vorbereitung darauf aus.
Häufige Fragen zum Konzentrations- und Merkaufgaben-Test
Wie lange sollte ich vor dem Test mit dem Üben anfangen?
Ein Zeitraum von zwei bis drei Wochen mit täglichem kurzen Training reicht für die meisten Bewerber aus, um sich an die Aufgabentypen und das Tempo zu gewöhnen. Wer mehr Zeit hat, kann natürlich früher anfangen — wichtiger als die Gesamtdauer ist aber die Regelmäßigkeit.
Sind die Aufgaben in jedem Bundesland gleich?
Nein. Da der Justizvollzug Ländersache ist, legt jedes Bundesland sein Auswahlverfahren selbst fest. Die grundsätzlichen Aufgabentypen ähneln sich oft, aber Umfang, Zeitvorgaben und Gewichtung können variieren. Prüfe daher immer das offizielle Justizportal deines Landes.
Reicht es, nur online verfügbare Übungstests zu machen?
Online-Übungen sind ein guter Einstieg, um die Aufgabentypen kennenzulernen. Sinnvoll ist es aber, das Training zusätzlich unter realistischeren Bedingungen zu üben — mit Zeitdruck und etwas Hintergrundgeräusch — damit du auf den echten Testtag besser vorbereitet bist.
Was, wenn ich bei Konzentrationsaufgaben generell schnell unkonzentriert werde?
Das ist kein Ausschlussgrund, sondern trainierbar. Kurze, regelmäßige Übungseinheiten verbessern die Konzentrationsspanne meist deutlich schneller, als viele erwarten. Wichtig ist, dranzubleiben statt nach den ersten schwierigen Versuchen aufzugeben.
Zählt ein schlechtes Ergebnis im Konzentrationstest automatisch gegen mich?
Die Auswahlverfahren der Länder setzen sich in der Regel aus mehreren Bausteinen zusammen, etwa schriftlichem Test, Sporttest und persönlichem Gespräch. Wie stark einzelne Testteile gewichtet werden, ist von Land zu Land unterschiedlich — Details dazu findest du beim Justizportal deines Bundeslandes.