
Rollenspiel/Deeskalation im Verfahren
Ein aufgebrachter Mitgefangener baut sich vor dir auf, die Stimme wird lauter, die Fäuste ballen sich. Was jetzt? Genau diese Frage testet das Rollenspiel im Auswahlverfahren für den allgemeinen Vollzugsdienst (AVD). Keine Sorge: Niemand erwartet von dir Profi-Deeskalation wie von einem erfahrenen Vollzugsbeamten. Die Prüfer wollen sehen, ob du in Stresssituationen handlungsfähig bleibst – und das lässt sich trainieren.
Was beim Justizvollzug-Rollenspiel auf dich zukommt
Beim justizvollzug rollenspiel simulierst du gemeinsam mit einem Schauspieler, einer Prüferin oder einem geschulten Mitarbeiter eine kurze, konfliktträchtige Alltagsszene aus dem Vollzug. Das Setting wird dir meist vorher kurz erklärt: Du bist Vollzugsbeamter oder -beamtin im Dienst, eine zweite Person spielt einen Gefangenen, manchmal auch einen Besucher oder Angehörigen. Die Übung dauert in der Regel nur wenige Minuten – aber genau diese Kürze macht sie anspruchsvoll, weil du sofort reagieren musst, ohne lange nachdenken zu können.
Wichtig zu wissen: Nicht jedes Bundesland setzt dieses Format identisch ein, und manche Landesjustizverwaltungen verzichten ganz darauf oder integrieren es anders in den Auswahltag (z. B. als Gruppenübung statt Einzelrollenspiel). Schau am besten auf dem offiziellen Justizportal deines Bundeslandes nach, wie der Ablauf bei dir konkret aussieht.
Typische Szenarien in der Deeskalations-Übung
Die Situationen sind bewusst alltagsnah gehalten, damit sie realistisch wirken, ohne dass Vorwissen aus dem Vollzugsalltag nötig ist. Häufig vorkommende Muster:
- Der aufgebrachte Gefangene: Jemand beschwert sich lautstark über eine vermeintliche Ungerechtigkeit – verspätetes Essen, ein abgelehnter Antrag, ein gestrichener Hofgang.
- Die angespannte Bitte: Ein Gefangener will dringend etwas durchsetzen (Telefonat, Verlegung, Arztbesuch) und wird ungeduldig bis fordernd.
- Der Streit zwischen zwei Parteien: Du sollst schlichten, ohne dass beide Seiten eskalieren.
- Die Provokation: Eine Spielfigur testet bewusst deine Grenzen, wird persönlich oder respektlos.
Der Inhalt ist letztlich zweitrangig. Geprüft wird nicht dein Fachwissen über Vollzugsrecht, sondern dein Verhalten unter sozialem Druck.
Worauf die Prüfer wirklich achten
Bei der Bewertung geht es selten um die „richtige“ Lösung – die gibt es in solchen Szenen meist nicht. Stattdessen beobachten die Prüfer dein Auftreten:
- Ruhe bewahren: Bleibst du auch bei Lautstärke und Provokation gelassen, oder wirst du selbst hektisch und laut?
- Aktiv zuhören: Lässt du die Gegenseite ausreden, gehst du auf das Gesagte ein, oder unterbrichst du ständig?
- Klare Grenzen setzen: Machst du deutlich, was geht und was nicht – freundlich, aber bestimmt, ohne dich klein zu machen?
- Körpersprache: Offene Haltung, ruhige Gestik, angemessener Abstand. Verschränkte Arme oder ein drohend wirkender Zeigefinger kommen selten gut an.
- Lösungsorientierung: Bietest du einen nächsten Schritt an („Ich kläre das für Sie und melde mich in 10 Minuten“) statt nur zu reagieren?
Diese Kriterien spiegeln das, was im echten Stationsalltag zählt: Ein Vollzugsbeamter, der in jeder Situation ausflippt oder sich wegducken, ist im Ernstfall ein Risiko – für sich selbst und für andere.
Konkrete Deeskalations-Tipps für die Übung
Ein paar einfache Techniken helfen dir, in der Situation nicht den Faden zu verlieren:
- Tonlage senken: Sprich bewusst langsamer und leiser als die Gegenseite – das wirkt automatisch beruhigend.
- Gefühl spiegeln, nicht bewerten: „Ich sehe, dass Sie das richtig wütend macht“ wirkt deeskalierender als „Beruhigen Sie sich.“
- Ich-Botschaften nutzen: „Ich kann das gerade nicht entscheiden, aber ich kümmere mich darum“ statt Vorwürfe oder Belehrungen.
- Optionen statt Befehle anbieten: Menschen reagieren oft kooperativer, wenn sie das Gefühl haben, eine Wahl zu haben – auch wenn die Grenzen klar bleiben.
- Pause aushalten: Du musst nicht sofort jede Lücke füllen. Kurz nachdenken wirkt souveräner als hektisches Reden.
Häufige Fehler im Rollenspiel
Zwei Extreme fallen den Prüfern besonders negativ auf:
- Zu hart auftreten: Wer sofort mit Vorschriften, lauter Stimme oder Drohgebärden reagiert, wirkt unsicher statt souverän. Übermäßige Härte wird oft als Überforderung gelesen, nicht als Stärke.
- Zu nachgiebig sein: Wer jede Forderung sofort erfüllt oder sich gar nicht traut, eine Grenze zu setzen, vermittelt das Gegenteil von Autorität. Im Vollzugsalltag braucht es beides: Empathie und Standhaftigkeit.
Auch häufig: Aus der Rolle fallen und anfangen, die Übung zu kommentieren („Das ist ja nur ein Test…“) statt die Situation ernst zu nehmen. Die Prüfer merken das sofort – und es wirkt unvorbereitet.
So bereitest du dich vor
Du kannst dich nicht auf ein bestimmtes Szenario vorbereiten, aber auf die Haltung dahinter schon. Übe mit Freunden oder Familie kurze Alltagskonflikte – etwa eine Beschwerde im Kundenservice oder einen Streit unter Nachbarn – und probiere bewusst die oben genannten Techniken aus. Wer schon einmal „geübt“ hat, ruhig zu bleiben, während jemand laut wird, reagiert in der echten Prüfungssituation deutlich entspannter.
Denk daran: Niemand erwartet Perfektion. Die Prüfer wissen, dass du keine jahrelange Vollzugserfahrung hast. Es zählt dein grundsätzliches Verhalten – und das kannst du mit ein bisschen Vorbereitung gut in den Griff bekommen.
Häufige Fragen zum Rollenspiel im Auswahlverfahren
Setzt jedes Bundesland ein Rollenspiel im Auswahlverfahren ein?
Nein. Da der Justizvollzug Ländersache ist, gestaltet jedes Bundesland sein Auswahlverfahren eigenständig. Manche Länder nutzen Rollenspiele oder Deeskalations-Übungen, andere prüfen soziale Kompetenz über Gruppendiskussionen oder Interviews. Informiere dich auf dem offiziellen Justizportal deines Bundeslandes über den genauen Ablauf.
Muss ich Vollzugsrecht kennen, um im Rollenspiel zu bestehen?
Nein. Es geht nicht um Fachwissen, sondern um dein Verhalten unter Druck: Ruhe, Zuhören, klare Kommunikation und Lösungsorientierung.
Was, wenn ich in der Situation blockiere oder nichts sage?
Eine kurze Pause ist kein Problem. Wichtiger ist, dass du danach wieder ins Gespräch findest. Völliges Verstummen oder Weglaufen aus der Situation wirkt sich dagegen negativ aus.
Wie laut oder aggressiv wird die Gegenseite im echten Test sein?
Das variiert je nach Bundesland und Prüfungsteam. In der Regel bleibt es im Rahmen einer nachvollziehbaren Alltagssituation – niemand wird dich tatsächlich bedrohen oder anfassen. Es geht um eine glaubwürdige, aber kontrollierte Simulation.
Kann ich beim Rollenspiel durchfallen, obwohl der Rest des Auswahlverfahrens gut lief?
Das Rollenspiel ist meist ein Bestandteil von mehreren Bewertungskriterien, kein alleiniges Ausschlusskriterium. Wie stark es gewichtet wird, legt jedes Bundesland selbst fest – auch hier hilft ein Blick ins offizielle Auswahlverfahren-Infoblatt deines Landes.